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Ein Traum ist unser Leben auf Erden hier, wie Schatten auf den Wogen schweben schwinden wir, und messen uns`re trägen Schritt nach Raum und Zeit, und sind und wissen`s nicht - inmitten Ewigkeit.
Es ist nur ein kleiner Sprung, in die Morgendämmerung Ich fühle wir die Welt, von außen jäh nach innen fällt, Und mein Herz das sagt mit klar, das sie nie woanders war; zeigt, das Nacht wie heller Tag immer schon beisammen lag, und es dämmert jetzt in mir: das letzte Ziel sind wir.
Himmel, Hölle, Leben, Tod Abenddämm`rung, Morgenrot, Feuer, Wasser, Nah und Fern - all das ruht im selben Kern.
5. Natur ist still Theodor O. Laube Hörprobe-mp3.audiofile Zwei Stimmen noch, dann eine nur und überm Schilf der Tag, versinkt in blasser Sonnenspur, im lichten Rot und in Azur bei jedem Ruderschlag.
Und noch ein Stimmchen regt sich dort, verstummt im Ufergras. Vom Wasser ziehn die Nebel fort und decken Wiesen allerort, das Wasser glänzt wie Glas.
Ach wie da stirbt ein jeder Laut, der aus der Kehle will. Nur selten hat der Mensch geschauht, was die Natur ihm anvertraut und die Natur ist still.
Beenden würde jedes Wort des Augenblickes Traum, wenn die Natur sich offenbahrt, in ihrer großen stummen Art für einen Herzschlag kaum.
Schwarz ragt der Kirchturm in die Nacht, aus dunklem Wäldermeer. Er hat zur Heimat mir gemacht, dies Stückchen rauhe Erdenpracht. Mein Herz ist liebesschwer.
6. Lauschen Rainer Maria Rilke
Vor lauter Lauschen und Staunen sei still, du mein tieftiefes Leben; das du weisst, was der Wind dir will, eh noch die Birken beben.
Und wenn dir einmal das Schweigen sprach, lass deine Sinne besiegen. Jedem Hauche gieb dich, gieb nach, er wird dich lieben und wiegen.
Und dann meine Seele sei weit, sei weit, dass dir das Leben gelinge, breite dich wie ein Feierkleid über die sinnenden Dinge.
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand, und kam die goldene Herbsteszeit, und die Birnen leuchtetet weit und breit, da stopfte wenn`s Mittag vom Turme scholl, der von Ribbeck sich beide Taschen voll, und kam in Pantinen ein Junge daher, So rief er:"Junge wiste`ne Beer?" Und kam ein Mädel, so rief er:"Lütt Dirn, kumm man röver, ick hebb`ne Birn.
So ging es viel Jahre, bis lobesam der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam. Er fühlte sein Ende, `s war Herbsteszeit, wieder lachten die Birnen weit und breit; da sagte von Ribbeck:"Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins Grab." Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus, trugen von Ribbeck sie hinaus, alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht sangen "Jesus meine Zuversicht", und die Kinder klagten, das Herze schwer: "He is dod nu. Wer giwt uns nu`ne Beer?"
So klagten die Kinder. Das war nicht recht- Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht; der neue freilich, der knausert und spart, hält Park und Birnbaum strenge verwahrt. Aber der alte, vorahnend schon und voll Misstraun gegen den eigenen Sohn, der wußte genau, was damals er tat, als um eine Birn` ins Grab er bat, und im dritten Jahr aus dem stillen Haus ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab, längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, und in der goldenen Herbsteszeit, leuchtet`s wieder weit und breit. Und kommt ein Jung`übern Kirchhof her, so flüstert`s im Baume: "Wiste `ne Beer?" und kommt ein Mädel, so flüstert`s:"Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew`di `ne Birn."
So spendet Segen noch immer die Hand, des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.